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Du hast dir vorgenommen, heute drei Stunden für den Medizinertest zu üben, und nach einer Stunde merkst du, dass du eigentlich seit 20 Minuten zwischen Instagram und deinen Übungsaufgaben pendelst. Das Problem ist selten mangelnde Motivation, sondern fehlende Struktur in der Lernzeit. Genau hier setzen intervallbasierte Lernmethoden an. Egal ob du dich gerade auf den TMS, den HAM-Nat oder ab 2027 auf den neuen TMSnat vorbereitest: Die Herausforderung bleibt dieselbe. Du musst über Wochen eigenständig lernen, und dafür brauchst du eine Struktur, die funktioniert.
Die Idee ist einfach: Statt dich für einen vagen Zeitraum an den Schreibtisch zu setzen, teilst du deine Lernzeit in feste Blöcke auf, unterbrochen durch kurze Pausen. Die bekannteste Variante ist die Pomodoro® Technique, die Francesco Cirillo Ende der 1980er Jahre veröffentlicht hat. Der Name kommt von seiner tomatenförmigen Küchenuhr, mit der er sich als Student selbst zum fokussierten Arbeiten brachte. Sein Schema: 25 Minuten konzentriertes Arbeiten, dann 5 Minuten Pause, und nach vier solcher Zyklen eine längere Pause von 15 bis 30 Minuten.
Das Prinzip dahinter ist nicht an diese spezifische Methode gebunden. Es gibt verschiedene Varianten mit unterschiedlichen Intervalllängen, und du kannst dir ein eigenes Schema bauen. Der entscheidende Punkt ist die Verbindlichkeit: Während eines Lernintervalls arbeitest du ausschließlich an einer vorher festgelegten Aufgabe. Keine Mails, kein Handy, keine kurze Recherche zu einem anderen Thema. Wenn dir zwischendurch etwas einfällt, schreibst du es auf einen Zettel und kümmerst dich in der Pause darum.
Bevor du den Timer startest, brauchst du eine klare Aufgabe. "Für den Test lernen" ist zu vage. "10 Aufgaben zu Diagrammen und Tabellen durcharbeiten" oder "Ein Kapitel Chemie auf der HAM-Nat-Lernplattform wiederholen" funktioniert besser, weil du am Ende eines Intervalls konkret sagen kannst, ob du fertig bist oder nicht. Die Planung vor der eigentlichen Lernzeit ist ein oft unterschätzter Teil der Methode: Sie zwingt dich, deine Aufgaben in konkrete Pakete zu zerlegen, statt mit einem diffusen "ich lerne jetzt mal" in den Tag zu starten.
Du brauchst dafür nichts weiter als einen Timer. Die Smartphone-Uhr reicht, es gibt aber auch Apps, die dein Handy während der Arbeitsphase blockieren. Das kann helfen, wenn das Handy selbst deine größte Ablenkungsquelle ist.
Der Ablauf pro Lerntag sieht dann so aus: Du schreibst dir morgens oder am Abend vorher auf, welche Aufgaben du erledigen willst, schätzt die Zahl der Intervalle pro Aufgabe und arbeitest die Liste ab. Nach jedem abgeschlossenen Intervall machst du einen Haken. Das klingt nach Kleinkram, aber genau dieses Tracking gibt dir über die Tage hinweg ein realistisches Bild davon, wie lange du für bestimmte Aufgabentypen tatsächlich brauchst. Das ist besonders nützlich, wenn du dir einen Lernplan über mehrere Wochen aufbaust.
Die Vorbereitung auf Medizin-Auswahltests hat eine Eigenschaft, die sie von vielen anderen Lernkontexten unterscheidet: Du übst vor allem an konkreten Aufgaben und wiederholst dabei bestimmte Aufgabentypen immer wieder. Textverständnis, quantitative und formale Probleme, Diagramme und Tabellen interpretieren, naturwissenschaftliches Grundwissen aufbauen, Fakten lernen. Das sind klar abgrenzbare Arbeitspakete, und genau dafür eignen sich feste Lernintervalle gut.
Aus unserer eigenen Erfahrung mit dem Lernen für Auswahltests und im Medizinstudium können Martin und ich sagen: Die größte Herausforderung ist nicht der einzelne Lerntag, sondern die Konstanz über Wochen hinweg. Du brauchst eine Struktur, die dich durch die Tage trägt, an denen die Motivation gering ist. Wenn du weißt, dass du heute acht Intervalle schaffst, und gestern waren es auch acht, dann gibt dir das einen Ankerpunkt. Du musst nicht jeden Tag aufs Neue entscheiden, wie lange du lernst, sondern hast ein System, auf das du dich verlassen kannst.
Eine niederländische Studie mit 87 Studierenden (Biwer et al., 2023) hat gezeigt, dass systematische Pausen im Vergleich zu selbst gewählten Pausen mit weniger Müdigkeit und weniger Ablenkung während des Lernens einhergingen. Die Studierenden in der Intervall-Gruppe lernten kürzer, erledigten aber vergleichbar viel. Eine Folgestudie derselben Arbeitsgruppe (Biwer et al., 2025) mit 94 Studierenden relativierte diese Ergebnisse allerdings: Im direkten Vergleich zwischen festen Intervallen, Flowtime-Pausen und selbstregulierten Pausen fanden sich keine signifikanten Unterschiede bei Produktivität, Aufgabenabschluss oder Flow-Erleben. Ein aktuelles Scoping Review aus dem Bereich der medizinischen Ausbildung fasst die bisherige Literatur so zusammen: Strukturierte Zeitintervalle verbessern den Fokus und reduzieren mentale Erschöpfung, die Evidenz für langfristige Effekte auf das Behalten von Wissen ist aber noch dünn. Ehrlich gesagt ist die Forschungslage zu intervallbasiertem Lernen im engeren Sinne überschaubar. Es gibt nur wenige kontrollierte Studien, und die meisten sind klein. Was in der Literatur konsistent auftaucht, ist, dass feste Pausenrhythmen besser funktionieren als "ich mache Pause, wenn ich müde bin", weil wir unsere eigene Erschöpfung schlecht einschätzen.
Es gibt keinen wissenschaftlichen Grund, warum es genau 25 Minuten sein müssen. Das klassische Pomodoro®-Schema ist ein guter Ausgangspunkt, aber viele Lernende passen die Länge an ihre Bedürfnisse an. Gängige Varianten sind 35 Minuten Arbeit mit 10 Minuten Pause, 50 Minuten mit 10 Minuten Pause, oder auch kürzere Blöcke von 15 Minuten, wenn die Konzentration an einem bestimmten Tag schwerfällt. Ein Scoping Review zur Intervalltechnik in der medizinischen Ausbildung schlägt 35-Minuten-Intervalle mit 10-Minuten-Pausen als sinnvolle Anpassung für kognitiv anspruchsvolles Lernen vor.
Unser Tipp: Fang mit 25 Minuten an und beobachte nach einer Woche, ob du dich regelmäßig mitten im Denkprozess unterbrochen fühlst. Wenn ja, verlängere auf 35 oder 40 Minuten. Wenn du merkst, dass du gegen Ende eines Intervalls regelmäßig abdriftest, verkürze lieber. Wichtig ist nur, dass du die Länge vorher festlegst und dich daran hältst, statt sie spontan zu verlängern oder zu kürzen.
Es gibt Lernsituationen, in denen starre Zeitblöcke eher stören. Wenn du dich gerade in eine komplexe Aufgabe vertiefst und im Flow bist, kann ein klingelnder Timer kontraproduktiv sein. Das kann gerade bei Textverständnis-Aufgaben passieren, bei denen du dich erst einlesen musst, bevor du produktiv arbeiten kannst. Ähnlich bei anspruchsvollen Naturwissenschafts-Aufgaben, bei denen du einen längeren Gedankengang verfolgst.
Auch für das Simulieren von Testsituationen unter realen Zeitbedingungen passen feste Lernintervalle nicht. Wenn du einen ganzen Untertest am Stück unter Zeitdruck übst, dann störst du den Testfluss mit künstlichen Pausen. Nutze die Technik also eher für das alltägliche Üben und Wiederholen, nicht für Simulationen ganzer Testblöcke.
Nutze die kurzen Pausen wirklich als Pausen. Aufstehen, kurz an die frische Luft gehen, etwas trinken. Nicht das Handy zücken und durch Social Media scrollen, denn das ist keine Erholung für dein Gehirn, sondern ein Aufmerksamkeitswechsel, der den Effekt der Pause zunichte macht. Die längere Pause nach vier Intervallen eignet sich gut für einen kurzen Spaziergang oder eine Mahlzeit.
Wenn du an einem Tag wenig Energie hast, setze dir ein Minimalziel von vier Intervallen statt dich zu zwingen, den gesamten Plan durchzuziehen. Vier fokussierte Intervalle sind mehr wert als sechs halbherzige Stunden am Schreibtisch.
Wenn du deinen Lernplan aufstellst, kannst du die Intervalle als Planungsgröße nutzen. Statt "drei Stunden Dienstag" zu planen, planst du zum Beispiel "sechs Intervalle: zwei für Diagramme und Tabellen, zwei für quantitative Probleme, zwei für Naturwissenschaften wiederholen". Das macht deinen Plan konkreter und gibt dir am Ende des Tages ein klares Bild davon, was du tatsächlich geschafft hast.
Lernintervalle sind kein Wundermittel und machen den Stoff nicht einfacher. Was sie tun: Sie geben dir eine einfache, wiederholbare Struktur, die dir hilft, deine Lernzeit tatsächlich zum Lernen zu nutzen. Gerade in der Vorbereitung auf Medizin-Auswahltests, wo du über Wochen eigenständig und diszipliniert arbeiten musst, kann das einen echten Unterschied machen. Ob du am Ende bei 25 oder 35 oder 50 Minuten pro Intervall landest, ist zweitrangig. Entscheidend ist, dass du eine Struktur hast und dich daran hältst.
Mehr Informationen zur Vorbereitung und zu den aktuellen Auswahltests findest du in unserem Zulassungs-Guide und im Artikel zum TMSnat ab 2027.
Die Pomodoro® Technique ist eine eingetragene Marke von Francesco Cirillo.