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Gastbeitrag von ApplicAid e.V.: Das Medizinstudium gehört zu den längsten und intensivsten Studiengängen in Deutschland. Zwölf Semester Regelstudienzeit, Semesterbeiträge, teure Lehrwerke und ein Alltag, in dem kaum Zeit für einen ausgiebigen Nebenjob bleibt – finanziell ist das eine echte Herausforderung. Gleichzeitig ist die Stipendienlandschaft in Deutschland breiter und zugänglicher, als die meisten denken. Das Problem ist oft nicht das fehlende Angebot, sondern das fehlende Wissen darüber.
Genau da setzt ApplicAid an. Der gemeinnützige Verein unterstützt Studierende, die aus bildungsbenachteiligten Gruppen kommen, also zum Beispiel aus einem nicht-akademischen Elternhaus, mit Migrationsgeschichte oder mit Sozialleistungen im Hintergrund, kostenlos dabei, den richtigen Zugang zu Stipendien zu finden. Mehr dazu am Ende dieses Artikels. Erstmal: Was gibt es überhaupt für Medizinstudierende?
In Deutschland gibt es 13 vom Bund finanzierte Begabtenförderungswerke, die Stipendien an Studierende vergeben. Sie alle eint ein großes gemeinsames Merkmal: Die finanzielle Förderung orientiert sich an den BAföG-Sätzen, plus einer monatlichen Studienkostenpauschale, und das unabhängig vom Einkommen der Eltern. Nichts davon muss zurückgezahlt werden.
Neben dem Geld ist die sogenannte ideelle Förderung oft das Wertvollste: Sommerschulen, Seminare, Sprachkurse, Mentoring und ein Netzwerk, das weit über das Studium hinaus trägt. Gerade im Medizinstudium, wo du fast automatisch in eine Art Parallelgesellschaft abtauchst, kann dieses Netzwerk unglaublich wertvoll sein.
Die Förderwerke unterscheiden sich inhaltlich und in ihrer Ausrichtung: Einige sind politisch orientiert (Friedrich-Ebert-Stiftung, Konrad-Adenauer-Stiftung, Heinrich-Böll-Stiftung, Hans-Böckler-Stiftung, Stiftung der Deutschen Wirtschaft), andere konfessionell (Cusanuswerk für Katholiken, Evangelisches Studienwerk Villigst, Avicenna-Studienwerk für Muslime, Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk für jüdische Studierende). Die Studienstiftung des deutschen Volkes ist das größte und älteste Werk und dabei politisch, konfessionell und weltanschaulich unabhängig.
Mach dir vor der Bewerbung Gedanken, welches Werk zu deiner Biografie und deinen Werten passt. Eine aufrichtige Auseinandersetzung damit sieht man in den Motivationsschreiben, und die Auswahlkommissionen auch. Eine Übersicht über alle Werke, ihre Ausrichtungen und Bewerbungsmodalitäten findest du auf stipendiumplus.de.
Im ersten oder zweiten Fachsemester kannst du dich bei der Studienstiftung des deutschen Volkes eigenständig über einen Auswahltest bewerben, ganz ohne vorherige Empfehlung durch Lehrende. Der Test prüft kognitive Fähigkeiten, kein Fachwissen. Die Anmeldefrist liegt typischerweise im Januar/Februar, die Tests finden im März statt. Wer zu den Testbesten gehört, wird zu einem persönlichen Auswahlseminar eingeladen. Alle Infos gibt es direkt auf studienstiftung.de.
Bei den Begabtenförderungswerken schließen sich BAföG und Stipendium gegenseitig aus, da die Förderung der Werke das BAföG ersetzt (und oft sogar höher liegt). Das Deutschlandstipendium hingegen, das über die eigene Hochschule vergeben wird, ist voll mit BAföG kombinierbar. Schau auf der Website deiner medizinischen Fakultät nach den aktuellen Bewerbungsfristen.
Neben den allgemeinen Förderwerken gibt es eine Reihe von Stipendien, die sich explizit an Medizinstudierende richten.
MLP Medical Excellence ist eines der bekanntesten: Zwölf Stipendien in Höhe von je 4.000 Euro werden vergeben, die Bewerbungsfrist liegt in der Regel im April. Mehr dazu unter mlp-financify.de/medical-excellence.
Fachgesellschaften schreiben regelmäßig eigene Programme aus. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) hat zum Beispiel ein Stipendienprogramm für Studierende, das über dgim.de abrufbar ist. Es lohnt sich, die Fachgesellschaft deines bevorzugten Fachgebiets gezielt nach solchen Programmen abzusuchen, gerade in den klinischen Semestern, wenn du dich fachlich zu orientieren beginnst.
Klinikgebundene Stipendien sind weniger bekannt, aber oft sehr attraktiv: Wenn du weißt, in welcher Klinik oder welchem Klinikverbund du nach dem Studium arbeiten möchtest, lohnt es sich, dort direkt nachzufragen, ob klinikeigene Förderprogramme existieren. Viele große Universitätskliniken und auch private Klinikgruppen haben solche Programme, die kaum öffentlich beworben werden.
Landarztprogramme und Förderung der Kassenärztlichen Vereinigungen: Seit einigen Jahren werden gerade in ländlichen Regionen händeringend Ärztinnen und Ärzte gesucht. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat mit der Initiative Lass dich nieder! ein eigenes Förderprogramm aufgebaut, das je nach Region unterschiedliche Stipendien und Zuschüsse bietet. Die genauen Möglichkeiten variieren stark nach Bundesland und Region. Einen Einstieg bietet lass-dich-nieder.de. Manche Landarztprogramme sind außerdem direkt mit der Landarztquote verknüpft, die bereits den Studienplatz über ein eigenes Kontingent vergibt. Wenn das für dich interessant ist, findest du hier auf medirechner.de einen ausführlichen Ratgeber dazu.
Für eine breite Recherche lohnt sich außerdem ein Blick auf medizinstipendium.de, das sich als Stipendienratgeber speziell für Medizinstudierende versteht.
Das Medizinstudium ist international, und das spiegelt sich auch in den Fördermöglichkeiten wider. Gerade für Phasen im Ausland gibt es oft eigene Programme, die kaum jemand kennt.
Wer ein Semester oder ein ganzes Jahr im Ausland studiert, hat in der Regel Anspruch auf Auslands-BAföG. Der entscheidende Unterschied zum regulären Inlands-BAföG: Die Fördersätze sind oft höher, es gibt Reisekostenzuschüsse und gegebenenfalls Zuschläge für Studiengebühren im Ausland. Das zuständige BAföG-Amt wechselt je nach Zielland, also informiere dich frühzeitig, denn die Bearbeitungszeiten können lang sein.
Bist du in einem Begabtenförderungswerk, kannst du während eines Auslandsaufenthalts weiter gefördert werden. Sprich dazu frühzeitig mit deiner Kontaktperson im Werk. Zusätzlich vergeben viele Förderwerke eigene Auslandsstipendien, etwa für Sprachkurse, Forschungsaufenthalte oder Studiensemester abroad. Diese sind oft separat beantragbar und unabhängig von der regulären Studienförderung.
Der DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) ist die erste Anlaufstelle, wenn du gezielt nach Auslandsstipendien suchst. Das Angebot reicht von kurzfristigen Reisestipendien über Sommerschulen bis hin zu mehrmonatigen Forschungsstipendien. Unter daad.de lässt sich gezielt nach Förderung im medizinischen Bereich suchen.
Eine Auslandsfamulatur ist nicht nur klinisch bereichernd, sondern kann auch finanziell gut abgefedert werden. Über den bvmd (Bundesverband der Medizinstudierenden in Deutschland) gibt es ein eigenes Austauschprogramm, das Auslandsfamulaturen in über 100 Ländern organisiert, ohne kommerzielle Vermittler, auf Gegenseitigkeit und oft zu deutlich günstigeren Konditionen als externe Anbieter. Einen ausführlichen Artikel dazu gibt es ebenfalls hier auf medirechner.de.
Außerdem lässt sich die Auslandsfamulatur gut mit Auslands-BAföG kombinieren, sofern du reguläres BAföG beziehst. Und manche Fachgesellschaften und Förderwerke vergeben auch gezielt kleine Reisestipendien für Famulaturen. Es lohnt sich, dort nachzufragen.
Das Praktische Jahr ist die Phase, in der am meisten Potenzial für Auslandsförderung besteht, und gleichzeitig die Phase, über die am wenigsten informiert wird. Wer ein PJ-Tertial im Ausland absolviert, kann unter bestimmten Voraussetzungen weiterhin Auslands-BAföG beantragen.
Wichtiger sind hier jedoch die PJ-Stipendien der Förderwerke: Bist du bereits in einem Begabtenförderungswerk, frage explizit nach PJ-spezifischer Unterstützung. Viele Werke haben Topf-Mittel für besondere Auslandsaufenthalte, die flexibel beantragt werden können.
Außerdem bieten manche Kliniken und Universitätsklinika selbst Zuschüsse für PJ-Studierende an, die ein Tertial bei ihnen absolvieren, auch im Ausland, wenn eine Kooperation besteht. Das Internationale Büro deiner Fakultät ist hier die erste Anlaufstelle.
Die medizinische Promotion läuft oft parallel zum regulären Studium, und das macht sie förderrechtlich zu einem Sonderfall, den viele nicht kennen.
Wer seine Promotion im Rahmen des Studiums absolviert, gilt als Studierende:r, nicht als Promovierende:r im klassischen Sinne. Das bedeutet: Du fällst nicht in die Promotionsförderung der Begabtenförderungswerke, sondern in die reguläre Studienförderung. Bist du also bereits in einem Förderwerk, kannst du die Förderung während der Promotionsphase grundsätzlich behalten, solange du noch eingeschrieben bist und die Förderungshöchstdauer nicht überschritten ist.
Wer dagegen für die Promotion ein Freisemester nimmt oder exmatrikuliert ist, wechselt in eine andere Kategorie. Dann kann unter Umständen eine Promotionsförderung der Werke in Frage kommen. Das ist aber an eigene Bewerbungsvoraussetzungen geknüpft und sollte frühzeitig mit dem jeweiligen Förderwerk besprochen werden.
Unabhängig vom Stipendienstatus gibt es für Doktorarbeiten weitere Förderwege:
Druckkostenzuschüsse sind oft das Letzte, woran man denkt, aber gerade bei experimentellen Arbeiten mit vielem Bildmaterial können Druck- und Publikationskosten erheblich sein. Die Barbara-Wengeler-Stiftung vergibt beispielsweise solche Zuschüsse für medizinische Dissertationen.
Stellen als wissenschaftliche Hilfskraft (HiWi) sind häufig direkt an das Forschungsprojekt der Doktorarbeit gekoppelt. Wenn du ohnehin experimentell arbeitest, lohnt es sich, aktiv danach zu fragen, denn viele Lehrstühle haben diese Stellen, bewerben sie aber kaum.
Stipendien von Fachgesellschaften sind eine weitere Option: Gerade für experimentelle Doktorarbeiten in Spezialgebieten schreiben Fachgesellschaften und private Stiftungen immer wieder Förderungen aus. Wer sein Thema kennt, sollte die relevanten Fachgesellschaften gezielt absuchen.
Stipendien durch die eigene Fakultät werden seltener vergeben, lohnen aber einen kurzen Check. Frag einfach direkt beim Dekanat nach, ob entsprechende Programme oder Förderungen existieren.
Stipendienbewerbungen sind aufwändig. Man muss wissen, welche Förderwerke es gibt, welches zu einem passt, wie ein Motivationsschreiben aufgebaut sein soll, wie ein Auswahlgespräch abläuft, und oft hat man niemanden im persönlichen Umfeld, dem man diese Fragen stellen kann. Wer aus einem akademischen Elternhaus kommt, hat da strukturelle Vorteile, die sich im Verlauf des Studiums immer wieder bemerkbar machen.
Genau hier setzt ApplicAid an. Der gemeinnützige Verein unterstützt Menschen mit bildungsbenachteiligtem Hintergrund kostenfrei bei der Stipendienbewerbung, unabhängig davon, welches Fach du studierst. Das Angebot umfasst eine persönliche Stipendienberatung, bei der du herausfindest, welches Programm zu dir passt, ein Mentoring durch mehr als 700 ehemalige Stipendiatinnen und Stipendiaten, die selbst eine ähnliche Ausgangssituation hatten, Workshops zu Motivationsschreiben, Auswahlgesprächen und Bewerbungsstrategien sowie frei verfügbare Ratgeber für alle, die sich erstmal selbst einen Überblick verschaffen wollen.
Das Besondere: Die Mentorinnen und Mentoren bei ApplicAid kennen die Hürden nicht nur aus der Theorie. Sie wissen aus eigener Erfahrung, wie eine Bewerbung gelingen kann.
Wenn du aus einem nicht-akademischen Elternhaus kommst, einen Migrationshintergrund hast, mit Sozialleistungen aufgewachsen bist oder dich aus anderen Gründen im Stipendiensystem bisher wenig zugehörig gefühlt hast: ApplicAid ist für dich gemacht. Alle Informationen und die Möglichkeit zur Beratung findest du auf applicaid.org.
Die häufigste Frage, die wir zum Thema Stipendien hören, ist: Bin ich gut genug dafür? Die ehrliche Antwort ist: Das hängt weniger von Noten ab, als du denkst. Stipendien werden nach ganz unterschiedlichen Kriterien vergeben, nach Engagement, Lebenslauf, Werten, Zielen und Bedürftigkeit. Gerade im Medizinstudium, wo du fast automatisch gesellschaftliche Verantwortung übernimmst, bringst du viele dieser Voraussetzungen bereits mit.
Was du mitnehmen solltest: Bewirb dich früh und bewirb dich breit. Die erste Bewerbung kostet am meisten Überwindung, danach wird es leichter. Und wenn du Unterstützung brauchst, weißt du jetzt, wo du sie findest.