Auswahlgespräch und Multiple Mini-Interviews (MMI)

Auch: Multiple Mini Interviews, IKM, Interviewverfahren

Von Malte Kuehl, Betreiber von medirechner
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Ein Auswahlgespräch ist das Gegenstück zum schriftlichen Test: Statt Aufgaben zu lösen, sprichst du mit Lehrenden oder spielst Situationen mit Schauspielpatient:innen durch. Beim Multiple Mini-Interview (MMI) wechselst du durch mehrere kurze Stationen mit jeweils eigenen Bewerter:innen, damit kein einzelnes Gespräch das Ergebnis dominiert.

 

Wo Interviews zählen

Zum WiSe 2026/27 setzten in Medizin nur wenige Standorte Gespräche ein, dort aber mit hohem Gewicht:

  • Heidelberg vergibt eine ZEQ-Unterquote (ZEQ-1) zu 100 Prozent über den IKM, ein MMI mit Schauspielpatient:innen, das auf Video aufgezeichnet und ausgewertet wird. Die Vorauswahl für die Einladung läuft laut IKM auch 2027 noch über den TMS.
  • Greifswald vergibt eine AdH-Unterquote zu 90 Prozent nach dem eigenen Interviewverfahren.
  • Der Modellstudiengang MEDiC in Dresden und Chemnitz gewichtet sein MMI in einer AdH-Unterquote mit 70 Prozent und in der ZEQ mit 50 Prozent.
  • Der MedizinCampus Niederbayern der Uni Regensburg gewichtet sein Interview im AdH mit 30 von 100 Punkten.

Dazu kommen die Landarztquote und die ÖGD-Quote: In Bayern bestehen die Gespräche aus vier Mini-Interviews à fünf Minuten und einem zehnminütigen Einzelgespräch.

 

Was das für dich heißt

Interviews sind fast immer eine zweite Stufe. Ohne gutes Testergebnis wirst du in der Regel gar nicht eingeladen; ob dafür schon der TMSnat oder noch der TMS zählt, legt jede Uni selbst fest. Plane die Anmeldefristen der Unis ein, sie liegen meist im Frühjahr und unabhängig von hochschulstart. Wie stark ein Interview an deiner Wunsch-Uni zählt, zeigt der Zulassungsrechner unter dem Kriterium Interview.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich mich einfach für ein Auswahlgespräch anmelden?

Meist nicht. Die Unis laden nach einer Vorauswahl ein, etwa nach Testergebnis oder Abiturnote, und die Anmeldung läuft separat über ein Portal der Uni, nicht über hochschulstart.

Brauche ich medizinisches Fachwissen?

Nein. Bewertet werden Motivation, Auseinandersetzung mit dem Studium und soziale Kompetenzen wie Empathie, Struktur und Kommunikation.

Quellen

Artikel zum Thema Auswahlgespräch und Multiple Mini-Interviews (MMI)

Quoten

Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH)

Im Auswahlverfahren der Hochschulen vergibt jede Uni 60 Prozent ihrer Studienplätze nach eigenen Kriterien. Meist zählen Abiturnote und Testergebnis, oft ergänzt um Ausbildung, Dienst oder Auswahlgespräch.

Quoten

Landarztquote

Über die Landarztquote vergeben elf Bundesländer Medizinstudienplätze an Bewerber:innen, die sich verpflichten, nach der Facharztweiterbildung mindestens zehn Jahre hausärztlich in einer unterversorgten Region des Landes zu arbeiten. Die Abiturnote spielt dabei eine untergeordnete Rolle.

Quoten

ÖGD-Quote

Die ÖGD-Quote reserviert in einigen Bundesländern Medizinstudienplätze für Bewerber:innen, die sich verpflichten, später im öffentlichen Gesundheitsdienst zu arbeiten, etwa im Gesundheitsamt. Sie funktioniert wie die Landarztquote, nur mit anderem Einsatzort.

Auswahltests

Situational Judgement Test (SJT)

Ein Situational Judgement Test misst soziale und kommunikative Urteilsfähigkeit: Du bewertest Handlungsoptionen für realistische Situationen aus Studium und Klinik. In Deutschland spielte er bisher nur in Hamburg eine Rolle, im österreichischen MedAT ist Soziales Entscheiden fester Bestandteil.

Auswahltests

TMSnat

Der TMSnat ist der neue bundesweite Studieneignungstest für Human-, Zahn- und Tiermedizin. Er ersetzt ab Mai 2027 TMS und HAM-Nat, kostet 100 Euro und darf beliebig oft wiederholt werden. Ab WiSe 2027/28 ist er der zentrale Test im Auswahlverfahren.

Quoten

Zusätzliche Eignungsquote (ZEQ)

Die Zusätzliche Eignungsquote vergibt 10 Prozent der Studienplätze ohne jede Berücksichtigung der Abiturnote. Es zählen nur notenunabhängige Kriterien wie Testergebnis, Berufsausbildung oder Dienst.