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Du arbeitest seit Jahren als Pflegekraft, MFA oder Notfallsanitäter und fragst dich, ob der Traum vom Medizinstudium für dich realistisch ist? Oder du überlegst, ob eine Ausbildung im Gesundheitswesen später die Tür zur Medizin öffnen könnte? In beiden Fällen lohnt sich ein genauer Blick auf die Möglichkeiten, die dir das deutsche Bildungssystem bietet.
Deine wichtigste Anlaufstelle: Die offizielle Seite hochschulstart.de/informieren-planen/beruflich-qualifizierte listet alle bundeslandspezifischen Regelungen, Voraussetzungen und Bewerbungswege vollständig auf. Prüfe dort immer zuerst die aktuellen Anforderungen für dein Bundesland, bevor du dich auf andere Quellen verlässt.
Die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung erhältst du automatisch mit einer abgeschlossenen Aufstiegsfortbildung. Dazu zählen der Meistertitel, eine Weiterbildung zum Fachwirt (IHK), zur Fachkraft für Intensiv- und Anästhesiepflege oder zum staatlich geprüften Techniker. Diese Abschlüsse setzen mindestens 400 Unterrichtsstunden voraus und werden bundesweit anerkannt. Mit einer solchen Qualifikation bist du formal einem Abiturienten gleichgestellt.
Gut zu wissen: Ohne zusätzliche Zugangsprüfung wirst du mit der Durchschnittsnote 4,0 am Vergabeverfahren beteiligt. Das betrifft die Abiturbestenquote (30% der Plätze), in der du damit keine realistischen Chancen hast. Für die Zusätzliche Eignungsquote (ZEQ) spielt die Note hingegen keine Rolle. Dort zählen ausschließlich Kriterien wie Testergebnisse und Berufsausbildung. Einige Bundesländer bieten Zugangsprüfungen an, mit denen du eine bessere Note für das Verfahren erwerben kannst. Die genauen Regelungen für dein Bundesland findest du auf der offiziellen Seite von hochschulstart.de.
Die fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung richtet sich an alle mit einer Berufsausbildung im medizinischen Bereich und entsprechender Berufserfahrung. Für diese benötigst du in der Regel einen mittleren Schulabschluss, eine abgeschlossene Berufsausbildung im medizinischen Bereich (mindestens zwei Jahre, Abschlussnote 2,5 oder besser) sowie hauptberufliche Berufserfahrung.
Die Anforderungen an die Berufserfahrung variieren je nach Bundesland erheblich. Die folgende Übersicht basiert auf den aktuellen Angaben von hochschulstart.de:
Drei Jahre Berufserfahrung (Standard): Baden-Württemberg, Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, NRW, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen
Zwei Jahre Berufserfahrung: Hessen (zusätzlich 400 Stunden Fortbildung bei fachfremder Ausbildung erforderlich)
Sonderregelungen:
Welche Berufsausbildungen als fachlich einschlägig gelten, variiert je nach Bundesland und Studiengang. Typischerweise anerkannt werden unter anderem Pflegefachfrau/Pflegefachmann, Medizinische Fachangestellte, Notfallsanitäter, Hebamme und Medizinische Technologen. Für Zahnmedizin gelten meist Zahntechniker und Zahnmedizinische Fachangestellte als einschlägig. Die vollständige und aktuelle Liste für jedes Bundesland findest du auf hochschulstart.de/informieren-planen/beruflich-qualifizierte. Wichtig: Die Kurzausbildung zum Rettungssanitäter wird nicht anerkannt, da sie keine vollwertige Berufsausbildung darstellt.
Wenn deine Ausbildung nicht fachlich zum Medizinstudium passt, kannst du trotzdem über eine Hochschulzugangsprüfung den Zugang erhalten. Details zu den Prüfungsanforderungen variieren je nach Bundesland.
Die Bewerbungswege unterscheiden sich je nach Bundesland erheblich.
In Hamburg existiert seit dem Wintersemester 2020/21 eine eigene Vorabquote für beruflich Qualifizierte. Die Bewerbung erfolgt ausschließlich direkt bei der Universität Hamburg über STiNE, nicht über hochschulstart.de. Für diese Quote stehen 0,2% der Studienplätze zur Verfügung, das bedeutet in der Regel je ein Platz für Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie pro Semester. Der Auswahlwert setzt sich aus der Note der beruflichen Hochschulzugangsberechtigung und dem Ergebnis des HAM-Nat-BQ zusammen, einem speziellen Naturwissenschaftstest für beruflich Qualifizierte. Die Teilnahme am HAM-Nat-BQ ist nicht verpflichtend, aber ohne Testergebnis wird dieser Anteil mit 0 Punkten gewertet. Achtung: Wenn du dich über diese Quote bewirbst, kannst du dich nicht gleichzeitig für andere lokal vergebene Studiengänge der Uni Hamburg bewerben.
In Sachsen werden die Studienplätze für beruflich Qualifizierte seit dem Wintersemester 2022/23 komplett von den Hochschulen selbst vergeben. Du musst dich direkt an die TU Dresden oder die Universität Leipzig wenden. Auch in Thüringen gibt es für Bewerber mit fachgebundener Berufsausbildung und dreijähriger Berufspraxis eine Vorabquote über die Universität Jena.
Für die meisten anderen Bundesländer läuft die Bewerbung über hochschulstart.de. Bei den meisten Hochschulen musst du zunächst bei der jeweiligen Universität die Feststellung der Hochschulzugangsberechtigung beantragen. In Berlin (Charité), Niedersachsen und NRW (Aachen, Bochum, Münster) prüft hochschulstart.de deine Qualifikation direkt.
In Baden-Württemberg, Bayern und Hessen ist vor der Zugangsprüfung ein verpflichtendes Beratungsgespräch erforderlich. In Bayern und Baden-Württemberg ist die Zugangsprüfung für beruflich Qualifizierte ohne Fachtreue sogar Pflicht.
Als beruflich Qualifizierter nimmst du am regulären Auswahlverfahren teil (sofern dein Bundesland keine Sonderregelung hat). Die Studienplätze werden über drei Hauptquoten vergeben. Das genaue Verfahren erklären wir auf medirechner.de/informationen/auswahlverfahren-der-hochschule/.
Abiturbestenquote (30%): Hier zählt ausschließlich die Punktzahl der Hochschulzugangsberechtigung. Mit 4,0 (ca. 300 Punkte) hast du hier praktisch keine Chance.
Zusätzliche Eignungsquote ZEQ (10%): Hier spielt die Note keine Rolle. Die Auswahl erfolgt nach schulnotenunabhängigen Kriterien wie TMS- oder HAM-Nat-Ergebnis, Berufsausbildung und Freiwilligendiensten. Für beruflich Qualifizierte mit gutem Testergebnis ist die ZEQ daher eine realistische Option.
Auswahlverfahren der Hochschulen AdH (60%): Die Hochschulen können eigene Kriterien festlegen. An manchen Universitäten gibt es bis zu 60 Punkte für eine abgeschlossene Ausbildung. Nutze den Zulassungsrechner auf medirechner.de, um deine individuellen Chancen zu berechnen.
Laut CHE-Daten von 2023 studieren derzeit etwa 1.100 Personen Medizin ohne klassisches Abitur (881 Humanmedizin, 212 Zahnmedizin). Die Zahl hat sich zwischen 2014 und 2023 von 534 auf 1.093 verdoppelt. Der Weg funktioniert, aber die Konkurrenz unter beruflich Qualifizierten hat zugenommen.
Um deine Chancen zu verbessern, solltest du unbedingt am TMS oder HAM-Nat teilnehmen. Diese Tests werden in der ZEQ und im AdH berücksichtigt und können den entscheidenden Unterschied machen.
TMS: Kann seit 2022 einmal wiederholt werden (innerhalb von 12 Monaten). Du darfst das bessere Ergebnis verwenden. Ab 2027 wird der TMS durch den neuen TMS-Nat ersetzt. Alle Infos findest du auf tms-info.org.
HAM-Nat: Kann beliebig oft wiederholt werden. Der HAM-Nat ist zu großen Teilen ein Wissenstest, auf den du dich gezielt vorbereiten kannst. Details erklären wir auf medirechner.de/informationen/hamnat-naturwissenschaftstest/.
Ab 2027: TMS und HAM-Nat werden zum neuen TMS-Nat zusammengeführt, der beliebig oft wiederholbar sein wird. Mehr dazu auf medirechner.de/informationen/tms-nat-der-neue-medizinertest/.
Dir werden naturwissenschaftliche Grundlagen fehlen, die im Abitur vermittelt werden. Chemie, Physik und Biologie auf Oberstufenniveau sind im ersten Studienabschnitt zentral. Nutze die Vorkurse der Universitäten und plane Zeit ein, um Wissenslücken eigenständig zu schließen.
Gleichzeitig bringst du Vorteile mit: praktische Erfahrung im medizinischen Alltag, Verständnis für Patientenkommunikation und Kenntnis des Gesundheitssystems. Du weißt, worauf du dich einlässt. Diese Erfahrung ist im klinischen Studienabschnitt und später im Beruf wertvoll.
Der Weg dauert. Drei Jahre Ausbildung plus drei Jahre Berufserfahrung plus mindestens sechs Jahre Studium bis zur Approbation bedeuten mindestens zwölf Jahre. Realistischer sind 13-14 Jahre mit Verzögerungen. Dafür hast du nach der Ausbildung aber bereits einen Beruf und finanzielle Sicherheit.
Im Internet kursieren viele veraltete Informationen. Deine erste und wichtigste Anlaufstelle ist immer hochschulstart.de/informieren-planen/beruflich-qualifizierte. Dort findest du die offiziellen und aktuellen Regelungen für jedes Bundesland.
Weitere hilfreiche Quellen:
Nutze außerdem die Studienberatung deiner Wunschuniversität. Ein persönliches Gespräch hilft dir, deine individuelle Situation einzuschätzen, und ist in vielen Bundesländern ohnehin Pflicht.
Alle Angaben ohne Gewähr. Falls du aktuellere Informationen hast oder Fehler findest, melde dich gerne bei uns, damit wir den Artikel aktualisieren können.