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Du träumst vom Medizinstudium in Deutschland, hast aber deinen Schulabschluss im Ausland gemacht? Dann stehst du vor einem komplexen Bewerbungsprozess mit vielen verschiedenen Wegen, Institutionen und Fristen. In diesem Guide erklären wir dir Schritt für Schritt, wie du als internationale:r Bewerber:in vorgehen musst.
Deutschland bietet eines der renommiertesten Medizinstudien weltweit. Die Ausbildung ist praxisnah, international anerkannt und profitiert von einer exzellenten Forschungslandschaft. Deutsche Universitätskliniken gehören zu den führenden medizinischen Einrichtungen Europas und bieten dir bereits im Studium Einblicke in aktuelle Forschungsprojekte und modernste Behandlungsmethoden. Die medizinische Forschung in Deutschland ist stark öffentlich gefördert, was sich in gut ausgestatteten Laboren, innovativen Lehrkonzepten und zahlreichen Möglichkeiten für studentische Forschungsprojekte widerspiegelt.
Im Vergleich zu anderen Ländern sind die Studienkosten gering oder entfallen ganz. An staatlichen Universitäten zahlst du in der Regel nur den Semesterbeitrag zwischen 150 und 400 Euro. Einige Bundesländer erheben allerdings zusätzliche Gebühren für internationale Studierende aus Nicht-EU-Ländern: In Baden-Württemberg sind es etwa 1.500 Euro pro Semester. In Bayern ist die Situation derzeit im Umbruch: Das bayerische Hochschulinnovationsgesetz erlaubt seit dem Wintersemester 2024/25 Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer. Die TU München erhebt bereits 2.000 bis 3.000 Euro pro Semester für Bachelor- und Masterstudiengänge. Für Staatsexamensstudiengänge wie Medizin gelten an manchen bayerischen Unis (z.B. TUM, LMU) noch Übergangsregelungen oder Befreiungen, dies kann sich jedoch semesterweise ändern. Informiere dich daher unbedingt direkt bei deiner Wunschhochschule über die aktuell geltenden Gebühren.
Der wichtigste erste Schritt ist herauszufinden, ob du deutschen Bewerber:innen zulassungsrechtlich gleichgestellt bist. Diese Unterscheidung bestimmt deinen gesamten Bewerbungsweg.
Wenn du in eine dieser Kategorien fällst, bewirbst du dich über hochschulstart.de genauso wie deutsche Bewerber:innen. Du nimmst am regulären Vergabeverfahren teil und kannst auch am TMS (Test für Medizinische Studiengänge) oder HAM-Nat teilnehmen.
In diesem Fall läuft deine Bewerbung anders ab. Lies unbedingt weiter.
Du bewirbst dich direkt über hochschulstart.de im zentralen Vergabeverfahren (ZV). Die Bewerbungsfristen sind der 15. Januar für das Sommersemester und der 15. Juli für das Wintersemester. Für Neuabiturient:innen gilt beim Wintersemester ebenfalls der 15. Juli, für Altabiturient:innen der 31. Mai.
Die Studienplatzvergabe erfolgt in drei Quoten: 30 Prozent gehen an die Abiturbesten, 10 Prozent werden über die Zusätzliche Eignungsquote (ZEQ) vergeben, und 60 Prozent entfallen auf das Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH), bei dem neben der Abiturnote auch Studierfähigkeitstests wie der TMS eine zentrale Rolle spielen.
Für dich ist der Bewerbungsprozess komplexer. Du bewirbst dich in der Regel nicht über hochschulstart.de, sondern entweder direkt bei den Hochschulen oder über uni-assist e.V. (Arbeits- und Servicestelle für internationale Studienbewerbungen). Etwa 5 Prozent der Medizinstudienplätze sind für nicht-gleichgestellte internationale Bewerber:innen reserviert, wobei die genaue Quote je nach Hochschule variieren kann.
Die Bewerbungsfristen können vom regulären Verfahren abweichen. Viele Hochschulen setzen für internationale Bewerber:innen den 15. Januar als einzigen jährlichen Bewerbungstermin fest. Erkundige dich unbedingt direkt bei deiner Wunschhochschule nach den für dich geltenden Fristen.
Uni-assist e.V. ist eine zentrale Servicestelle, die internationale Zeugnisse vorprüft und bewertet. Die Organisation arbeitet mit über 180 deutschen Hochschulen zusammen. Die Bearbeitung deiner Unterlagen dauert etwa vier Wochen. Für eine Erstbewerbung fallen Kosten von 75 Euro an, jede weitere Bewerbung im selben Semester kostet 30 Euro.
Wichtig: Nicht alle Hochschulen arbeiten mit uni-assist zusammen. Prüfe daher auf uni-assist.de, ob deine Wunschhochschule dabei ist. Falls nicht, bewirbst du dich direkt bei der Hochschule.
Bei uni-assist reichst du alle Unterlagen als Scan über deinen My-Assist-Account ein. Die Organisation prüft, ob du die formalen Zugangsvoraussetzungen erfüllst, und leitet deine Bewerbung bei positivem Ergebnis an die Hochschule weiter.
Ob dein ausländischer Schulabschluss in Deutschland zum Medizinstudium berechtigt, kannst du in der Datenbank anabin der Kultusministerkonferenz prüfen. Die Datenbank enthält Informationen zur Bewertung ausländischer Bildungsnachweise für über 180 Länder.
Direkter Hochschulzugang: Dein Abschluss wird als gleichwertig mit dem deutschen Abitur anerkannt. Du kannst dich direkt für das Medizinstudium bewerben.
Indirekter Hochschulzugang: Dein Abschluss berechtigt nicht direkt zum Studium. Du musst zunächst ein Studienkolleg besuchen oder die Feststellungsprüfung ablegen.
Kein Hochschulzugang: Dein Abschluss wird nicht anerkannt. In diesem Fall solltest du dich direkt bei der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) beraten lassen.
Wenn dein Abschluss oder deine Hochschule nicht in anabin aufgeführt ist, kannst du eine individuelle Zeugnisbewertung bei der ZAB beantragen. Das Verfahren dauert in der Regel etwa zwei bis drei Monate und kostet 208 Euro.
Wenn dein ausländischer Schulabschluss nicht direkt zum Studium berechtigt, ist das Studienkolleg oft der nächste Schritt. Hier wirst du in zwei Semestern (einem Jahr) gezielt auf die Feststellungsprüfung (FSP) vorbereitet.
Für medizinische, biologische und pharmazeutische Studiengänge belegst du den M-Kurs. Die Unterrichtsfächer umfassen Deutsch, Physik, Biologie und Chemie.
Die Bewerbung erfolgt nicht direkt beim Studienkolleg, sondern bei der Hochschule, an der du später studieren möchtest. Vor der Aufnahme musst du eine Aufnahmeprüfung bestehen, die in der Regel Deutsch und Mathematik umfasst.
Staatliche Studienkollegs sind gebührenfrei. Du zahlst lediglich den üblichen Semesterbeitrag. Es gibt auch private Studienkollegs, bei denen Gebühren anfallen. Achte unbedingt darauf, dass ein privates Studienkolleg einen staatlich anerkannten Abschluss vergibt.
Die Feststellungsprüfung findet am Ende des Studienkollegs statt. Bei Bestehen erhältst du ein Zeugnis, das als Hochschulzugangsberechtigung für ganz Deutschland gilt. Du kannst dich damit an allen deutschen Universitäten für Studiengänge bewerben, die deinem Schwerpunktkurs entsprechen.
Die FSP kann bei Nichtbestehen einmal wiederholt werden. Eine externe Feststellungsprüfung ohne vorherigen Besuch eines Studienkollegs ist ebenfalls möglich, erfordert aber eigenständige Vorbereitung und Deutschkenntnisse mindestens auf Niveau B2.
Der TestAS (Test für Ausländische Studierende) ist ein Studierfähigkeitstest speziell für internationale Bewerber:innen aus Nicht-EU-Ländern. Er besteht aus einem Kerntest zu allgemeinen kognitiven Fähigkeiten und einem Fachmodul. Für Medizin wählst du das Fachmodul Medizin, das nur digital angeboten wird.
Der Test kann auf Deutsch oder Englisch abgelegt werden. Empfohlen werden Sprachkenntnisse mindestens auf Niveau B1. Gute TestAS-Ergebnisse können deine Zulassungschancen deutlich verbessern, da einige Hochschulen Bonuspunkte vergeben. An manchen Universitäten wie Hamburg ist der TestAS für internationale Bewerber:innen verpflichtend.
Der digitale TestAS für Medizin wird mehrmals jährlich angeboten, typischerweise im Frühjahr (Februar bis April) und Frühsommer (Mai/Juni). Die Anmeldung endet in der Regel etwa fünf Wochen vor dem jeweiligen Termin. Die aktuellen Termine und Anmeldefristen findest du auf testas.de.
Der TMS (Test für Medizinische Studiengänge) ist der zentrale Studierfähigkeitstest für das Medizinstudium in Deutschland. Er wird von allen staatlichen medizinischen Fakultäten als Auswahlkriterium berücksichtigt. Der Test prüft Fähigkeiten wie Musterkennung, naturwissenschaftliches Grundverständnis, räumliches Vorstellungsvermögen und Textverständnis.
Die Teilnahme am TMS ist für Nicht-EU-Bürger:innen in der Regel nicht sinnvoll, da ihre Studienplätze innerhalb der separaten Ausländerquote vergeben werden und der TMS dort keine Rolle spielt.
Der TMS findet zweimal jährlich statt, im Frühjahr (Mai) und im Herbst (November). Die Anmeldephasen beginnen jeweils einige Monate vorher, typischerweise im Januar für den Frühjahrstermin und im Juli für den Herbsttermin. Die Teilnahmegebühr beträgt 100 Euro. Der Test kann einmal wiederholt werden, wobei das bessere Ergebnis zählt. Aktuelle Termine und Fristen findest du auf tms-info.org sowie auf medirechner.de/fristen.
Der HAM-Nat (Hamburger Naturwissenschaftstest) wird von den Universitäten Hamburg und Magdeburg sowie für einige Fächer in Greifswald genutzt. Anders als der TMS prüft er konkretes Fachwissen in Physik, Chemie, Biologie und Mathematik.
Die Teilnahme am HAM-Nat ist für Nicht-EU-Bürger:innen in der Regel nicht möglich, da für sie andere Auswahlverfahren vorgesehen sind. Wenn du jedoch gleichgestellt bist (EU/EWR oder Bildungsinländer:in) und an den Unis Hamburg oder Magdeburg studieren möchtest, ist der HAM-Nat eine wichtige Option. Eine ausgezeichnete Ressource zur Vorbereitung ist hamnatvorbereitung.de, wo du Lernmaterialien, Strategien und einen ein vollständiges Online-Lehrbuch findest.
Die Anmeldung erfolgt über auswahltestzentrale.de. Der Test findet typischerweise im Frühjahr (März) und Spätsommer (August/September) statt. Die genauen Termine und Anmeldefristen variieren jährlich.
Ab dem Wintersemester 2027/2028 sollen TMS und HAM-Nat zu einem weiterentwickelten Studierfähigkeitstest zusammengeführt werden.
Für das Medizinstudium in Deutschland benötigst du sehr gute Deutschkenntnisse auf dem Niveau C1. Der Nachweis erfolgt in der Regel durch die Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang (DSH) auf Stufe DSH-2 oder durch äquivalente Zertifikate.
Die genauen Anforderungen variieren je nach Hochschule. An einigen Universitäten muss der Sprachnachweis bereits bei der Bewerbung vorliegen, an anderen erst zur Immatrikulation. Für Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie ist der Nachweis oft bereits bei der Bewerbung erforderlich. Informiere dich frühzeitig bei deiner Wunschhochschule.
Wenn du noch keinen ausreichenden Sprachnachweis hast, aber eine bedingte Zulassung erhältst, kannst du oft an einem DSH-Vorbereitungskurs teilnehmen und die Prüfung vor Studienbeginn ablegen.
Mindestens 18 Monate vor Studienbeginn:
12 Monate vor Studienbeginn:
6 Monate vor Studienbeginn:
Bis zur Bewerbungsfrist:
Als Nicht-EU-Bürger:in benötigst du ein Studentenvisum für Deutschland. Die Aufenthaltserlaubnis zum Studium wird in der Regel für zwei Jahre erteilt und kann verlängert werden. Die gesetzliche Maximaldauer für das gesamte Studium einschließlich Vorbereitung beträgt zehn Jahre.
Für den Visumsantrag musst du einen Finanzierungsnachweis erbringen. Seit dem 1. Januar 2025 beträgt der erforderliche Betrag auf dem Sperrkonto 11.904 Euro pro Jahr, was 992 Euro pro Monat entspricht.
Die Bewerbungsverfahren für internationale Studierende sind komplex und können sich ändern. Bei folgenden Fragen solltest du dich unbedingt direkt an die zuständigen Stellen wenden:
Wir selbst haben unsere Erfahrungen mit dem Bewerbungsprozess in Hamburg gesammelt und wissen, wie überwältigend der Dschungel aus Fristen, Tests und Formularen sein kann. Lass dich nicht entmutigen. Mit guter Planung und rechtzeitiger Vorbereitung ist der Traum vom Medizinstudium in Deutschland auch für internationale Bewerber:innen realisierbar. Alle Angaben ohne Gewähr.