Kriterien im AdH-Verfahren

Welche Kriterien verwenden die Universitäten für das Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH)?

 

In unserem letzten Beitrag ging es um das allgemeine Bewerbungsverfahren für einen Medizinstudienplatz. Wie auch dort schon dargestellt, wird mit 60 Prozent die Mehrheit der Studienplätze über das Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH) vergeben.

In diesem Verfahren werden von den Universitäten neben der Abiturnote häufig noch andere Kriterien verwendet. Das macht dieses Verfahren für viele Bewerber besonders attraktiv, da sich einige Kriterien im Gegensatz zum einmal abgelegten und unveränderlichen Abiturschnitt beeinflussen lassen. Jedoch gibt es je nach Universität viele unterschiedliche und unterschiedlich gewichtete Kriterien.

Deshalb haben wir in diesem Beitrag die wesentlichen Kriterien einmal zusammengestellt. Sie lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen:

Erstens Kriterien nach dem Abitur, die für die Mehrzahl interessanter sein dürfte. Denn diese lassen sich nach dem Abitur noch erwerben und sind besonders dann interessant, wenn es allein mit der Abiturnote eng werden könnte.

Zweitens Kriterien vor bzw. bis zum Abitur, die besonders für Schüler interessant sind, weil sie diese noch „sammeln“ können.

 

Kriterien nach dem Abitur

Medizinertest (TMS)

Eines der wohl bekanntesten und bei den Unis beliebtesten zusätzlichen Kriterien ist der Medizinertest (Test für medizinische Studiengänge – TMS). Der Test ist darauf gerichtet, die Studieneignung für das Fach Medizin bei seinen Teilnehmern zu prüfen. Er ist dabei kein Wissenstest, sondern soll die Grundfähigkeiten testen, welche für das Medizinstudium von hoher Relevanz sind. Viele TMS-Absolventen sind sich jedoch sicher, dass zumindest einige der Aufgabentypen im TMS sehr gut trainierbar sind.

Voraussetzung für eine Testteilnahme ist, dass man bereits im Besitz einer Hochschulzugangsberechtigung ist. Eine Teilnahme am Medizinertest ist nur einmal möglich, das Ergebnis also verbindlich. Immerhin kann man sich durch die Teilnahme am TMS nicht verschlechtern.

Der Test wird an über 40 Testorten in ganz Deutschland jeweils im Mai eines Jahres durchgeführt. Die Teilnahmegebühr liegt im Jahr 2017 bei 73 Euro.

Mehr Infos zum TMS findest du hier:

 

Hamburger Naturwissenschaftstest (HAM-Nat)

Weniger gängig ist der Hamburger Naturwissenschaftstest (HAM-Nat), der am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf entwickelt wurde. Dieser wird nur an den Universitäten Hamburg, Magdeburg und der Charitè Berlin verwendet. Zu dem Test werden Bewerber an diesen Universitäten nach der Bewerbung auf hochschulstart.de automatisch eingeladen. Anders als im Medizinertest wird Wissen in den Fächern Mathe, Physik, Chemie und Biologie abgeprüft.

 

Berufsausbildung

Manche Universitäten rechnen den Bewerbern eine Berufsausbildung positiv an. So gewährt zum Beispiel die Universität Mainz für insgesamt 26 Berufe einen Bonus von 0,4 Punkten auf die Abiturnote.

Zu beachten ist jedoch, dass viele Universitäten jeweils unterschiedliche Berufe anerkennen. Bei der Bewerbung mit Berufsausbildung ist also genau zu prüfen, ob die eigene Berufsausbildung auch anerkannt wird.

Hier gelangst zu zu unserer Analyse, welche Berufsausbildungen an besonders vielen Universitäten anerkannt werden.

 

Auswahlgespräche

Nicht alle Universitäten wollen ihre Auswahlentscheidung rein aufgrund „harter“ Kriterien der Bewerbungsunterlagen treffen. Deswegen führen einige persönliche Auswahlgespräche durch.

Je nach Universität können sich diese natürlich unterscheiden. Im Wesentlichen geht es aber darum, Faktoren wie die Motivation der Bewerber, die bisherigen praktischen Erfahrungen und die Vorstellungen von der medizinischen Praxis einzuschätzen. Positiv punkten können dabei insbesondere Personen mit überlegtem Auftreten und relevanten praktischen Erfahrungen.

 

Freiwilligendienste

Schließlich geben einige Universitäten, zum Beispiel die Universität Tübingen, einen Bonus für einen abgeleisteten Freiwilligendienst.

 

Kriterien vor dem Abitur

Besonders gewichtete Einzelfächer

Wer schon vor der Beginn der Oberstufe weiß, dass er Medizin studieren will, kann seine Oberstufenfächer entsprechend strategisch zusammenstellen. Denn manche Universitäten berücksichtigen die Wahl bestimmter naturwissenschaftlicher Fächer positiv. Die Universität Greifswald erkennt zum Beispiel die Fächer Biologie, Chemie, Mathematik und Physik positiv an und bietet dazu auch einen eigenen Punkterechner an.

 

Wettbewerbe

Schließlich würdigen einige wenige Universitäten auch die Teilnahme an bestimmten Wettbewerben. So kann unter anderem ein 1. – 3. Platz am Schülerwettbewerb „Jugend Forscht“ zu einem Bonus führen. Dies ist zum Beispiel an der Universität Würzburg und der Universität Tübingen der Fall.

 

Insgesamt gibt es also eine Vielzahl von Kriterien, deren Relevanz und Gewichtung sich je nach Uni entscheidet. Für eine fundierte Auswertung eurer Zulassungschancen für jede einzelne Uni, basierend auf eurem persönlichen Profil, bieten wir euch den medirechner an. Dieser erspart euch stundenlanges Wühlen in den Satzungen der Hochschulen oder gibt euch Sicherheit, dass ihr euch an den richtigen Hochschulen bewerbt.

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