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Wer im regulären Bewerbungsverfahren keinen Medizinstudienplatz erhalten hat, sollte das Losverfahren kennen. Dabei handelt es sich um ein Vergabeverfahren für Restplätze, die nach Abschluss aller Nachrückrunden an einzelnen Universitäten übrig bleiben. Diese Plätze werden unabhängig von Schulnoten oder Testergebnissen per Zufall vergeben.
Jede medizinische Fakultät organisiert ihr Losverfahren eigenständig. Das bedeutet: unterschiedliche Fristen, unterschiedliche Bewerbungswege, unterschiedliche Formulare. Allen gemeinsam ist jedoch das Grundprinzip. Die Abiturnote spielt keine Rolle, ebenso wenig wie ein TMS- oder HAM-Nat-Ergebnis. Wer eine Hochschulzugangsberechtigung besitzt, darf teilnehmen.
Wichtig zu verstehen: Die Bewerbung über hochschulstart.de und die Anmeldung zum Losverfahren sind zwei vollständig getrennte Vorgänge. Eine reguläre Bewerbung führt nicht automatisch zur Teilnahme am Losverfahren. Umgekehrt kann man sich auch ohne vorherige hochschulstart-Bewerbung für die Verlosung anmelden.
Die meisten Hochschulen haben ihre Bewerbungswege inzwischen digitalisiert. Online-Formulare auf den Universitätswebseiten sind der Standard, nur vereinzelt werden noch postalische Anmeldungen akzeptiert.
Deutschland verfügt über knapp 40 staatliche medizinische Fakultäten. Ein Großteil davon führt grundsätzlich Losverfahren durch, allerdings nicht jede Universität in jedem Semester. Ob tatsächlich Plätze verlost werden, hängt davon ab, ob nach allen regulären Vergaberunden noch Kapazitäten frei sind.
Einige Standorte verzichten generell auf dieses Verfahren für Humanmedizin. Dazu zählen Oldenburg, Leipzig, Lübeck und Ulm. Andere Universitäten entscheiden semesterweise, ob sie Restplätze verlosen. Im Sommersemester ist die Auswahl traditionell kleiner als im Wintersemester, da weniger Fakultäten überhaupt Studienanfänger aufnehmen.
Die Fristen für das Wintersemester erstrecken sich typischerweise von Anfang September bis Mitte Oktober. Innerhalb dieses Zeitraums setzt jede Hochschule eigene Termine. Manche öffnen ihr Bewerbungsportal nur für wenige Tage, andere akzeptieren Anmeldungen über mehrere Wochen. Diese Zeitfenster können sich jährlich verschieben, weshalb eine regelmäßige Prüfung der Universitätswebseiten ab Spätsommer unerlässlich ist.
Verspätete Bewerbungen werden ausnahmslos abgelehnt. Wer eine Frist verpasst, hat an dieser Universität keine Chance mehr auf einen Losplatz im betreffenden Semester.
Eine nüchterne Betrachtung ist angebracht: Die Wahrscheinlichkeit, über das Losverfahren einen Studienplatz zu erhalten, liegt im niedrigen einstelligen Prozentbereich. An manchen Standorten werden nur eine Handvoll Plätze verlost, während sich mehrere hundert oder tausend Interessenten anmelden. Einzelne Fakultäten vermerken auf ihren Webseiten, dass in den Vorjahren überhaupt keine Verlosung stattfand.
Trotz dieser geringen Aussichten lohnt sich die Teilnahme. Der Zeitaufwand ist überschaubar, Gebühren fallen nicht an. Wer Bewerbungen an viele Standorte gleichzeitig abschickt, maximiert seine statistischen Chancen.
Erfolgreiche Teilnehmer werden per E-Mail oder Post benachrichtigt. Wer nicht ausgelost wurde, erhält keine gesonderte Mitteilung. Das Ausbleiben einer Nachricht bedeutet also eine Ablehnung.
Bei einer positiven Nachricht ist sofortiges Handeln gefragt. Der Semesterbetrieb läuft zu diesem Zeitpunkt bereits. Einführungswochen liegen in der Vergangenheit, Kursanmeldungen sind möglicherweise abgeschlossen, erste Veranstaltungen haben stattgefunden. Im ungünstigsten Fall führen verpasste Pflichttermine zu einer Verlängerung der Studienzeit. Die Einschreibung muss daher unmittelbar nach Erhalt der Zusage erfolgen, alle Unterlagen sollten griffbereit sein.
Der effektivste Ansatz: Bewerbung an allen Universitäten, die ein Losverfahren anbieten. Da Fristen und Modalitäten stark variieren, empfiehlt sich eine strukturierte Herangehensweise. Ein Kalender mit allen relevanten Terminen verhindert, dass Bewerbungsfenster unbemerkt verstreichen. Die Informationsseiten der Hochschulen sollten ab August im Blick behalten werden, da viele Details erst kurzfristig veröffentlicht werden.
Flexibilität beim Studienort erhöht die Chancen zusätzlich. Wer bereit ist, für einen Losplatz in eine andere Stadt zu ziehen, sollte entsprechende Vorbereitungen treffen: Wohnungsmarkt beobachten, finanzielle Reserven vorhalten, berufliche oder private Verpflichtungen so gestalten, dass ein kurzfristiger Umzug möglich bleibt.
Das Losverfahren ergänzt die regulären Bewerbungswege, ersetzt sie aber nicht. Die zentralen Zulassungsquoten über hochschulstart.de bleiben der Hauptweg zum Studienplatz: Abiturbestenquote, Zusätzliche Eignungsquote und Auswahlverfahren der Hochschulen. Wer seine individuellen Chancen kalkulieren möchte, findet im Zulassungsrechner ein hilfreiches Werkzeug zur Einschätzung verschiedener Szenarien.
Für Bewerber, deren Profil im regulären Verfahren nicht ausreicht, existieren weitere Optionen jenseits des Losverfahrens: Studium an einer ausländischen Universität, Bewerbung über die Bundeswehr, gerichtliche Durchsetzung eines Studienplatzes oder die Zweitstudienquote für Absolventen anderer Studiengänge.
Alle Angaben ohne Gewähr.